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Was ist gutes Futter?

Discounterfutter

Ich werde immer wieder gefragt, welches Futter ich empfehlen kann. Meine Antwort lautet: „Keines!“ Obwohl meine Datenbank sicher den allergrößten Teil des bundesdeutschen Marktes an Fertigfutter kennt, habe ich zu den meisten Futtersorten keine Meinung. Zudem kenne ich meist weder Halter noch Hund persönlich. Ich könnte jeweils futterspezifisch antworten, ob ich es Hannes geben würde oder nicht und warum. Das hilft aber niemandem weiter.

Daher hier einfach mal meine persönlichen Grundüberlegungen. Dieser Artikel ist keine universelle Anleitung für die Futterauswahl, sondern schlicht meine persönliche Meinung.

Inhalt

  1. Vorlieben
  2. Wissenschaft
    1. Private Label oder Eigenmarken im Supermarkt
    2. Die Weltkonzerne
    3. Marken-Hersteller
  3. NoGos in der Hundeernährung
  4. Fazit

1. Vorlieben

Das Futter muss dem Hund schmecken und er muss es vertragen. Niemandem ist geholfen mit einem angesagten oder angepriesenen Futter, das Hund nicht anrührt oder von dem er Verdauungsprobleme bekommt. Das ist für mich das allererste und allerwichtigste Kriterium: Höre auf den Hund, statt auf Werbung und „Influencer“!

Da dies für Hannes und viele andere Hunde bei fast jedem Futter gegeben ist, darf ich als nächstes meine eigenen Vorlieben einbringen. Das wären:

  • Ich möchte einen Drittelmix an Energie, um alle Verdauungsenzymsysteme gleichermaßen zu fordern. Das bedeutet, ich finde in etwa gleich viel Protein und Kohlenhydrate im Futter, während der Fettanteil nur etwa halb so groß ausfallen sollte. Das bedeutet, Reinfleischdosen oder Futter mit minimalen Pflanzenanteilen möchte ich nicht füttern.
  • Ich würde nur Nassfutter kaufen, das zu weniger als 80% aus Wasser besteht.
  • Absolute NoGos für mich (!) sind Pferd (wegen physiologisch erhöhtem Cadmium in der Pferdeleber, -niere und -muskulatur so dass dieses zum menschlichen Verzehr z.T. nicht mal verkauft werden darf), Buchweizen und Schwarzkümmelöl (weil lebertoxisch).
  • Keine exotischen und teuer eingeflogenen Zutaten, weil ich das schlicht Quatsch finde – hier gibt’s genug Auswahl. Damit sind bei mir Strauß, Rentier, Känguru und Insekten genauso raus wie Quinoa, Amaranth oder Cranberries und Papayas.
  • Keine Kräuterorgien, Heilpilze oder anderes THP-Zeugs, weil ich Medizin generell evidenzbasiert statt „alternativ“ haben will und insbesondere nicht im täglichen Futter und schon gar nicht für den gesunden Hund – hingegen habe ich nichts gegen Dill, Petersilie und andere Küchenkräuter.
  • Keine populären „Unterstützungszutaten“ für allerlei Zipperlein an Zähnen, Gelenken, Verdauung, Haut &Fell, weil diese Zipperlein bei ihrem Auftreten adäquat behandelt werden müssen und nicht durch Allerweltsfutter oder Leckerlis vorzubeugen oder zu kurieren sind.
  • Keine Hülsenfrüchte, weil ich die Proteinqualität für den Hund nicht ausreichend finde und die mitgelieferten Faserstoffe einfach meist zu viel sind.
  • Keine fraktionierten Mehle wie Erbsenfasern oder Kartoffelprotein, weil ich weniger bearbeitete Zutaten und diese lieber in ihrem natürlichen Verbund im Futter möchte.
  • Keine essbaren Erden (Heilerde, Bentonit, Zeolith, Heilmoor, Torf und was sonst noch so zur Ausleitung von irgendwas angepriesen wird), weil ich zur Entgiftung die serienmäßige Hundeausstattung mit Leber und Niere bevorzuge und ansonsten einfach kein Gift in den Hund einwerfe. Und ob nun umfunktionierte Katzenstreu bzw. Milbenkiller irgendwas im Hund zu suchen hat, bezweifle ich stark. In jedem Fall arbeiten die allesamt als „Schwämmchen“, die nicht nur Gifte aufsaugen, sondern mangels im Hund vorhandenem Gift stattdessen die wichtigen Nährstoffe binden. Sie sondern auch keine innewohnenden Nährstoffe ab, von denen Hund profitieren könnte. Nein, auch kein Silizium.
  • Zwingend mit zugesetzten Vitaminen und Spurenelementen, weil anders Bedarfsdeckung nicht herstellbar ist. Praktisch kein Futter enthält nativ ausreichend Vitamine D und E sowie Jod und Zink, meist braucht man auch Kupfer und Mangan. Nicht mal rohes Futter, auch wenn man es selbst zusammen stellt, enthält diese wichtigen Nährstoffe von Natur aus in ausreichender Menge.
  • Gerne mit Geflügelfett oder Sonnenblumenöl, weil reich an Linolsäure für die Haut.
  • Gerne mit Getreide oder anderen Stärkelieferanten, weil diese die Menschheit nachweislich ernähren und weil dank Stärke mein nimmersatter Hannes einfach größere Mengen fressen darf, als wenn ich mich allein auf Fett als Energiequelle stützen würde. Wir beide lieben z.B. Haferflocken, Reis, Nudeln und Tortilla-Chips.
  • Gerne mit Zutaten, die ich selber gerne esse, weil ich meinen Hund gerne vermenschliche. Ich finde z.B. Dinkelnudeln lecker. Hannes frisst sie auch. Ich mag gerne knusprig gebratene Hühnerbeine. Hannes knabbert auch gerne rohe Hühnerbeine. Ich mag kein Kokos – weder als Raspeln noch als Öl. Hannes mag das. Aber er bekommt es nicht, weil ich es nicht mag. Ich mag keine Leber, Hannes auch nicht – aber er muss sie trotzdem fressen, ich zum Glück nicht!

Diesen Luxus einer unermesslichen Auswahl und Einbringung meiner persönlichen Vorstellungen hat nicht jeder Hundehalter. Wenn Hund – warum auch immer – nur eine Sorte Futter frisst oder verträgt: Dann gib’s ihm! Auch wenn Du persönlich es nicht toll findest. Es geht um den Hund und nicht um Dich! Finde vielleicht noch ein oder zwei weitere Sorten als Reserve, die problemlos in und durch den Hund gehen – für den Fall, dass die Rezeptur verändert oder es einfach vom Markt genommen wird.

Ansonsten braucht Hund keine permanente Abwechslung beim Futter – aber wenn es Dir Spaß macht und Hund es verträgt, spricht dennoch nichts dagegen.

2. Wissenschaft

Ich möchte von Fertigfutter in allererster Linie, dass Hannes mit seinem Futter alle als essentiell angesehenen Nährstoffe in ausreichender Menge erhält. Also müssen nicht nur die eingeworfenen Kalorien ausreichen, um ihn satt zu kriegen – er muss vor Allem alle erforderlichen Amino- und Fettsäuren sowie Vitamine, Mineralien und Spurenelemente bekommen. Nur damit bleibt er dauerhaft gesund. Bei Fertigfutter muss mir der Hersteller dies nachweisen. Idealerweise als Analysewerte, hilfsweise auch über die Zusatzstoff- oder Zutatenliste. Leider tut das kaum ein Hersteller und die wenigsten Kunden fragen danach, weil sie schlicht nichts damit anfangen können. Daher muss man sich letztlich fragen, wem man vertrauen kann und warum.

Was und wieviel der Hund genau braucht, hat der NRC basierend auf weltweiter jahrzehntelanger Forschung zusammengetragen und FEDIAF und AAFCO haben dies in praktikable Anleitungen für die Futterhersteller umgesetzt und entwickeln dies weiter auf Basis kontinuierlich wachsenden Forschungsergebnissen. Ein Futter, das für mich in Betracht kommt, muss diese Standards erfüllen. Welche Hersteller dieses sind, kann man im Mitgliederverzeichnis der FEDIAF nachlesen. Für Deutschland wird auf den IVH verwiesen – die anderen europäischen Länderverbände habe ich mir nicht weiter angeschaut. Dessen Mitglieder produzieren Hundefutter auf Basis der FEDIAF-Standards:

Der eine oder andere Leser wird sich jetzt wahrscheinlich die Augen reiben. Ja, bei diesen Herstellern gehe ich davon aus, dass sie ziemlich genau wissen, was zum Wohl des Hundes (und nicht [!!!] zum Entzücken des Hundehalters) in Futter gehört und wie man dauerhaft gleichbleibende Qualität herstellt. Sie können auf funktionierende Lieferketten, ausgefeilte Maschinen und standardisierte Prozesse zurückgreifen.

Die meisten davon setzen auf übliche Proteinquellen, Getreide und Zusatzstoffe. Das möchte ich im Futter haben. Sie verzichten nicht durchgehend auf teure und unnötige „Mode- und Gesinnungszutaten“ und schummeln werblich auch nicht den Fleischgehalt in unglaubwürdige Höhen oder nölen rum über „die Industrie“. Das möchte ich auch nicht für Hannes sein Futter haben.

Auch wenn die Deklaration der Zutaten in der Regel bei diesen Herstellern arg zu wünschen übrig lässt, ist der undeklarierte Teil der Zutaten kein Feder-Krallen-Gemisch, wie die Romantiker aus der Reihe der Grimms-Zieglers-Märchenwelt gerne behaupten, sondern einfach schwankende Zutatenanteile wegen naturgemäß schwankenden Nährstoffgehalten in den Zutaten.

Daher kann ich ihnen Vertrauen schenken. Einfach, weil sie in diesem Verein drin sind und wissen, dass sie das Rad nicht permanent neu erfinden müssen. Aber auch, weil ich mich jetzt etliche Jahre intensivst mit Hundefutter befasst habe.

2.1. Private Label als Eigenmarken im Supermarkt

Ganz klar: Private Label sind Auftragshersteller. Sie mischen zusammen, was der Auftraggeber will. Im Zweifel also auch nicht bedarfsdeckendes Zeugs unter dem dann echt rechtswidrigen Label „Alleinfutter“. Allerdings leben die Großen unter ihnen hauptsächlich von Massenproduktion für Großabnehmer, die Eigenmarken in den Verkehr bringen. Also Discounter, Supermärkte und Fachhandelsketten sowie große Online-Anbieter.

Und für diese wenden sie einfach konsequent den Stand des Wissens aus der Wissenschaft an. Sie haben stabile Lieferketten, standardisierte und automatisierte Prozesse, können rechnen und haben einen gut gewarteten Maschinenpark. Beste Voraussetzungen, dauerhaft gutes Futter zu produzieren!

Für mich selber kann ich sagen, ich habe mit Hannes Futter von Lidl, Edeka und netto ausprobiert und war sehr positiv überrascht. Sowas steht hier bei mir meist einfach im Schrank als Reserve, damit Hannes nicht hungern muss, wenn ich mal mit dem Auftauen und/oder Zubereiten von Frischfutter aus reiner Faulheit oder Dusseligkeit nicht nachkomme. Ist gut, günstig, lokal zu bekommen, wird gut vertragen und gern gegessen. Natürlich ohne jede Story drumrum und ohne Fancy Zutaten drin. Weder Bio noch regional noch sonst irgendwie weltverbessernd. Das erwarte ich für meine (!) Linsen oder Nudeln oder Milch auch nicht. Nur mein Olivenöl und meine Espressobohnen suche ich mit derselben Akribie aus wie Hannes sein Futter.

2.2. Die Weltkonzerne

Dann gibt’s die großen, von vielen gehassten, weltweiten Konzerne. Ja, diese Konzerne erarbeiten den Fortschritt in der Hundeernährung für die gesamte Branche weltweit. Was sie sonst noch wo in der Welt treiben, interessiert an dieser Stelle nicht die Bohne!

Wie kann das sein? Durch Forschung! Ja, richtig gelesen: Die betreiben wissenschaftliche Forschung. Die forschen an Zutaten und Kombinationen daraus, an Verfahren, an Stoffwechselprozessen und was man alles sonst noch wissen muss, um gutes Futter zu produzieren. Nein, dafür müssen keine Hunde gequält werden oder gar sterben! Echt nicht! Es gibt auch zu Tierversuchen Gesetze! Und über perverse Versuche, wie sie in den 30er Jahren an Mensch und Hund normal waren, um die Grundlagen zu verstehen, sind wir längst hinaus!

Dieser aktuellen Grundlagenforschung verdanken wir z.B. das für Hunde höchstverdauliche Protein aus Soja, das unter Ergänzung von Methionin auch das höchstwertige für Hunde ist. (Okay, hier habe ich persönlich immer noch eine Hirnschranke, die mir sagt: das will ich nicht füttern.) Es hilft unfassbar vielen Hunden, die aus verschiedensten gesundheitlichen Gründen proteinarm ernährt werden müssen. Und günstiger als Fleisch ist es allemal, selbst wenn allgemein für die Nutztierernährung mit Soja der Regenwald abgeholzt wird. Oder es wurde ein Hydrolyseverfahren entwickelt, das eigentlich hochwertiges aber von Natur aus leider völlig unverdauliches Protein aus Federn für Hunde verdaulich macht und somit ein Lichtblick für alle Allergikerhunde ist, deren Halter keine ordentliche Ausschlussdiät machen wollen oder durchhalten können.

Und natürlich machen sie das in Kooperation mit Universitäten, denn da wächst ja das Wissen über Hundeernährung. Und nein, sie kaufen weder Lehrstühle noch Studenten noch Tierärzte. Aber ja, sie nehmen schon Einfluß darauf, welche wissenschaftlichen Grundlagen zur Hundeernährung gelehrt werden sollen – doch sie profitieren noch viel mehr aus den Erkenntnissen der Nutztierernährung, die inzwischen die Nährstoffzufuhr äußerst präzise und emotionslos berechnet, bis hin zu taggenauer Zufuhr einer einzelnen Aminosäure.

Und jeder Wissenschaftler in der universitären Forschung muss seine Forschungsprojekte durch eingeworbene Forschungsgelder selber finanzieren, wie auch sein vorangehendes Studium, das er selber bezahlen musste – im Gegensatz zu TMFAs, deren Ausbildung vom Arbeitgeber finanziert wird, der die Ausbildungsinhalte vorgibt und die auch noch Lehrgeld erhalten. Und wenn man dann Fachtierarzt für Ernährung ist und weiter forschen will, hey, dann gibt es da wirklich spannende Aufgaben in einem unbefristeten und gut bezahlten Job! Man wird jetzt nicht erwarten, dass irgendeine kleine Klitsche aus dem Westerwald oder ein hippes Hauptstadt-Startup nicht bloß Interesse daran haben könnte, sondern auch das Geld und den langen Atem, den man dafür braucht, gelle? Wir reden da über Zigtausende bis Millionen von Euronen und Jahre bis Jahrzehnte, bis nutzbare Ergebnisse vorliegen.

Am Ende profitieren wir alle von dieser Forschung. Sei es, weil wir Laien die umfassenden und weltweit anerkannten Grundlagenwerke umsonst lesen dürfen, sei es, weil sie einzelne Papers mit aktuellen Erkenntnissen Open Access zur Verfügung stellen (z.b. hier, hier oder hier) oder auch nur, dass sie Infrastruktur bereitstellen, damit unsere Universitätsdozenten wissenschaftlich basierte Webinare auch für Nicht-Tiermediziner umsonst zugänglich machen. Und nicht zuletzt finden diese neuen Erkenntnisse Eingang nicht nur in die weltweite akademische Lehre – nein, sie finden auch Eingang in die Produktentwicklung anderer Hersteller, ohne dass diese selber forschen müssen. Eigentlich nice, oder?

2.3. Marken-Hersteller

Damit sind wir nun bei den nach meiner Einschätzung vertrauenswürdigen Marken-Herstellern angekommen. Noch vor wenigen Jahren hätte ich deren Futter ausnahmslos und in Gänze abgelehnt! Heute würde ich doch einige von denen füttern. Ich erzähle mal, wie ich zu diesem Punkt gekommen bin:

Tatsächlich habe ich vor 9 Jahren ohne jegliche Ahnung von Hund und Ernährung erstmalig einen Futtertempel aufgesucht und einen Vormittag lang die Deklarationen studiert. Am Ende des Vormittags war ich entsetzt und fand, Soja & Mais an erster Stelle ist Vogel- aber kein Hundefutter und beschloss, nach S.Simon-Prozenten zu BARFen. Das habe ich zwei Jahre (im Nachgang betrachtet: mehr schlecht als recht!) durchgezogen. In der Zeit fand ich „natürliche“ und „chemiefreie“ Ernährung super, Phytotherapie und Homöopathie besser als Impfen sowie Medizin und überhaupt den Schrader, die Wolf und andere Schwurbler total überzeugend. Und „Industrie“ natürlich generell böse. Hunde, die mit Royal Canin, Bosch oder HappyDog ernährt wurden, taten mir leid.

Tja, und dann kamen bei Hannes zwei unerfreuliche Harnsteinepisoden und ich musste meine kleine romantische Märchenwelt verlassen und mich mit Fakten wie Nährstoffen, Bedarfen und Lebensmitteln befassen. Akut gab’s bei Struvit VetConcept und eine Not-OP sowie nachfolgend bei Cystinurie Hill’s und eine Kastration. Das Hill’s habe ich empört zum TA zurückgebracht, denn es roch nach Kuchen. Jahre später habe ich das Futter verstanden. Es wäre in der Tat perfekt auf die Erkrankung zugeschnitten gewesen.

Inzwischen habe ich mich aufgeschlaut und komme zu dem Schluss, dass die Proteinquelle und die verarbeiteten Tierteile völlig Banane sind und es somit völlig unerheblich ist, ob im Futter die linke Pobacke vom schwäbischen Feldhasen, das Herz vom tschechischen Gatter-Hirsch, das Ohr vom niedersächsischen Bio-Angler-Sattel-Schwein oder die Milz vom Weidelamm am Nordseedeich drin ist. Wenn dann zusätzlich noch Lupinen, Lichtwurzeln, Granatapfelkerne oder andere Phantasiezutaten als Alleinstellungsmerkmal drin sind, bin ich raus. Die Prozentangaben sind umso irreführender, je mehr Einzelzutaten da aufgelistet werden. Auch die Darreichungsformen in Gläsern oder Würsten, als kaltgepresst oder gebacken erscheinen mir bestenfalls anekdotisch und Softfutter scheidet auch aus bei mir, weil es besonderen Schutz vor Verderb bedarf.

Wollte ich Fertigfutter füttern, käme für mich inzwischen nur noch Josera, VetConcept, Platinum, mera, Bosch und Supermarktfutter in Frage. Müsste ich im Krankheitsfall auf Diätfutter umsteigen, gäbe es Royal Canin, Hill’s, VetConcept. Könnte ich bei der Erkrankung noch adäquat selber zubereiten, dann würde ich mit Produkten von Futtermedicus oder Napfcheck ergänzen (letztere sind nicht in der FEDIAF, aber LMU-Zöglinge und somit direkt an der Forschungsquelle zur Hundeernährung).

Warum soll ich mir jetzt noch zig andere Marken anschauen, nur weil es sie gibt? Die Auswahl, die ich hier habe, ist mehr als reichlich, versorgt meinen Hund gut und in der Regel verlangen sie keine Mondpreise. Im übrigen will ich nur den Hund ernähren und damit weiter keine Weltpolitik machen.

Das heißt nicht, dass es nicht noch mehr gute Futterhersteller in Deutschland, Europa und der Welt gibt – aber ich will mich damit nicht großartig befassen, so lange das nicht nötig ist, weil ich für Hannes und mich frische Ernährung bevorzuge und außerdem auch die Kontrolle darüber habe, was in seinem Napf landet.

3. NoGos in der Hundeernährung

Jetzt bleibt noch die Frage offen, was Du auf keinen Fall glauben solltest, wenn Du Deinen Hund dauerhaft gut ernähren willst und auf wen Du niemals hören darfst.

  • Der Hund im Wachstum hat bis zur Vollendung des ersten Lebensjahres einen extrem hohen Energiebedarf und braucht deshalb -> Trommelwirbel! -> einen geringeren (!!!) Nährstoffgehalt bezogen auf die Kalorien beim erwachsenen Hund. Insbesondere Exzesse in Kalzium ruinieren die Gelenke von Klein auf. Nachhaltig und für den Rest des Lebens. Auch unfassbar hohe Mengen an Protein sind völlig unnötig. Dazu wird’s mal einen eigenen Artikel geben.
  • Der Senior-Hund benötigt deutlich weniger Kalorien, aber die gleiche Nährstoffmenge oder sogar mehr davon als der einfach erwachsene Hund. Das gilt auch und besonders für die essentiellen Aminosäuren! Daher bitte nicht einfach ein nährstoffabsorbierendes faserreiches Light-Futter einwerfen!
  • Zusatzstoffbefreites Futter wird auf Dauer Mängel im Hund provozieren und gesundheitliche oder besser kränkliche Folgen nach sich ziehen. „Chemiefrei“ hört sich „natürlich“ und erstrebenswert an. Faktisch ist der moderne Haus-Hund an sich jedoch nicht mal ein Naturprodukt sondern künstlich durch Rassezucht erschaffen und dann wieder durch Rasse-Mischungen verwässert und trägt allerhand Anlagen für Erkrankungen in sich. Er ist in den letzten paar zehntausend Jahren vom wilden Wolf zum niedlichen Kuscheltier mutiert. Da er eben durch die moderne Lebensform vom selbständigen Raubtier mit kurzer Lebenserwartung zum abhängigen Kuscheltier mit längstmöglicher arbeitsloser Lebensdauer verwandelt wurde, hat er ohne Aufgabe einen sehr geringen Energiebedarf im Vergleich zu wild lebenden oder arbeitenden Tieren. Entweder wird Hund mit ausreichend „natürlichen“ Zutaten fett – oder er bleibt schlank und hat Nährstoffmängel. Beides ist doof. „Natürlich“ kommen die benötigten Nähstoffmengen für den Kuschelhund schon roh nicht ausreichend in den Zutaten vor, um die Bedarfe zu decken – bei Fertigfutter geht zusätzlich in den Produktionsprozessen noch der eine oder andere Nährstoff flöten. Leb damit: Hund braucht ausreichend Jod, Zink, Mangan, Kupfer und Vitamin D, um auf Dauer seine Körperfunktionen aufrecht zu erhalten. Und die sind in den natürlichen Zutaten bei dem geringen Energiebedarf des modernen Sofa-Wolfs einfach nicht ausreichend enthalten. Und immer daran denken: Alles ist Chemie!
  • Direktvertrieb ist einfach nur Vertrieb. Auch bei Hundefutter. Wenn Du meinst, dort wissenschaftlich fundierte Beratung für umsonst zu bekommen, bekommst Du nicht mehr Beratung als vom Staubsaugervertreter, der Dir das Blaue vom Himmel verspricht und Dich einlullt, während er seinen selbst ausgekippten Unrat mit seinem eigenen Staubsauger in Deinem Wohnzimmer wieder aufsaugt. Üblicherweise haben diese Vertreter eine Vertriebsschulung bekommen und nennen das Verkaufsgespräch „Ernährungsberatung“ – der Begriff ist weder geschützt noch erfordert er irgendeine Formalqualifikation. Diese Vertreter haben üblicherweise keine Ahnung von Nährstoffen, Hundebedarf und was davon im angepriesenen Futter drin ist. Wenn Dir dann aber was vom „mineralischen Gleichgewicht“, irgendwelchen Patenten erzählt wird, Dir eine Einladung zum „Testessen“ angeboten wird oder Dir eine genaue Abfolge von einzelnen Produkten nahe gelegt wird: Renn weg! Hinzu kommt, dass diese Firmen extrem gerne gegen „Industriefutter“ wettern und die Stories aus Grimms und Zieglers Märchen verbreiten, um sich selber aufzuwerten – aber sie sind auch einfach nur kommerzielle Unternehmen. Auffallend auch: Die finden „Zusatzstoffe“ per se 💩, obwohl diese sehr wichtig und auch teuer sind.
  • Dann gibt’s noch reichlich sympathische StartUps, die anhand ihres Auftritts im WWW, wo sie lost sind, die Welt verbessern wollen – aber am Ende auch nur Wirtschaftsunternehmen sind, die mit möglichst wenig Einsatz möglichst viel Geld verdienen wollen. Also eigentlich auch nur profitorientierte Industrie sind. Hier gilt wie beim Direktvertrieb: Die erzählen Dir in wort- und bildgewaltigen herzzerreißenden Geschichten, besonders mit Verweis auf Grimms und Zieglers Märchen, warum sie supertoll sind – sie liefern zwar meist eine detaillierte Zutatenliste voller Nonsens und bis auf 2 Nachkommastellen bei der Prozentverteilung der Zutaten – aber auf keinen Fall eine vollständige Nährstoffanalyse. Kauf den Quatsch nicht – es sei denn, Du hast eine lokale Verbindung dazu und kannst das beworbene Futter objektiv als positiv bewerten.
  • Super-Foods im Hundefutter triggern mich. Üblicherweise sind das ganz normale Lebensmittel, die vom anderen Ende der Welt stammen und denen irgendwas legendär überhöhtes zugeschrieben wird. Das kann Kurkuma, Kokos-irgendwas, Grünlippmuschel oder nicht näher spezifizierte Extrakte von irgendwas sein. Sowas braucht weder Mensch noch Hund. Was mit sowas beworben wird, regt mich bloß zum Weglaufen an.
  • Was Premium, Super-Premium oder ähnlich beworbene Super-Duper-Futter sein sollen, erschließt sich mir überhaupt nicht im Vergleich zu allem anderen Futter. Wer mit sowas wirbt, ist direkt raus bei mir.
  • Wer erzählt, dass Bio eine bessere Qualität hätte, erzählt Quatsch. Möglicherweise setzt Bio weniger Pestizide bei Pflanzen ein oder hat geringfügig (!!! – ja, drei Stück Ausrufungszeichen als Rudel, mit voller Absicht) bessere Haltungsbedingungen der Nutztiere, die im Futter landen – aber am Ende ist das Produkt genauso mit Giftstoffen umweltversaut und hat nicht weniger Schadstoffe als aus der konventionellen Lebensmittelproduktion. Und im Hundefutter landen immer und per Definition die Nebenprodukte davon. Natürlich darfst Du aus ideologischen Gründen Bio-Futter aus Deiner Region kaufen. Nur ist es eben ernährungsphysiologisch nicht besser. Mit Glück immerhin im ökologischen Fußabdruck.
  • Futter im Glas ist die größte Umweltsau, die man sich im Futtersektor denken kann! Ja klar, kann man Gläser recyclen. Allein das Gewicht im Transport ist ressourcenintensiv – egal, ob nun voll in den Laden/zum Kunden oder leer im Altglas oder im Pfandsystem. Dann doch lieber Plastikfolien, Weißblechdosen oder Aluschalen, die sind ressourcenschonender und ohne große Zusatzlogistik recyclebar.

4. Fazit

Am Ende ist es völlig egal, welche Protein- und Energiequelle im Futter ist und was da an super-duper-foods drin ist. Hauptsache, alle Nährstoffe sind ausreichend drin. Wenn Du das alleine nicht beurteilen kannst, such Dir eine gut ausgebildete und erfahrene Ernährungsberatung, die Dir die Deklaration in praktikable Anwendung übersetzen kann.

Da sind als erstes die Fachtierärzte für Ernährung zu empfehlen wie z.B. Julia Fritz von Napfcheck, die LMU-Zöglinge bei Futtermedicus, die diskrete Susan Kröger in Berlin, die großartige Stefanie Handl von der Futterambulanz in Österreich oder auch der neue Star Stephanie Schmitt von Feed me Right zu empfehlen.

Wem die Kosten für die GOT zu hoch erscheinen, kann auch eine nicht-tierärztliche aber unabhängige Ernährungsberatung aufsuchen, z.B. die Adminas der Facebookgruppe Gesunde Hundeernährung von Fertigfutter bis BARF.

Ich persönlich würde never ever eine Tierheilpraktikerin befragen oder einen BARF-Berater oder gar eine Nonsens-Futterfirma – aber ja, die gibt’s auch und die machen viel Werbung.

Und nur zur Info: Ich mache keine Ernährungsberatung! Hier – bzw. derzeit noch in der alten Seite – gibt es nur einen Futterrechner, den Du selber mit Daten füttern musst und dessen Ergebnisse Du selber interpretieren must.

Veröffentlicht unter Blog

5 Kommentare

  1. Gerlinde Resech

    Wow, das ist ein Artikel der mich überzeugt. Mit wachsender Skeptis und auch Verwunderung habe ich seit Tag 5 Hund im Haus in den Foren und anhaftenden Links Informationen zum „richtigen“ Futter gelesen. War ich als Jahrgang 60 bisher der Meinung, was Hund verträgt und schon seit Jahren auf dem Markt etabliert wird passen – dann las ich von Grünlipp und Ulmenrinde, Moos und Co. Warum hilft es dem Hund und mir nicht? Hokuspokus? Ich lebe seit 14 Jahren in Norwegen, hier gibt es viel weniger Auswahl an Hundefutter und noch keine Futterhysterie. Allerdings vermisse ich hier schon eine Beratung oder zumindest eine sinnvolle Deklaration. VOM z.b. ist schwer zu durchschauen, wird aber hier sehr viel verfüttert. Ich gebe meiner 1 jährigen Havapoo Hündin Trofu von Josera und Nass von Purenatural. Letzteres gibt es in D nicht. Ich hoffe es ist ein gutes Futter.

    • Hannes Sein Frauchen

      Sei froh, dass die Norweger noch ein entspannteres Verhältnis zu Hunden und Futter haben! VOM finde ich durchaus interessant – aber die Deklaration ist so unterirdisch, dass ich das nicht in meine Datenbank aufnehmen kann. Hier in D ist BARF ja auf schlichte Prozentrechnung abgestellt, aber VOM hat ja immerhin Nährstoffe hinzugefügt. Ähnliche Rohkost habe ich sonst nur in GB gesehen, aber dort wenigstens so deklariert, dass man wenigstens berechnen kann, wie viel man füttern soll. An Purenatural scheitert schon der Google-Translator – aber bei dem Namen stellen sich mir direkt die Nackenhaare auf, weil er „zusatzstoffbefreit“ induziert. Vielleicht ist das gar nicht so.

      Falls Du mal nach Deutschland kommst: Kannst Du mir 2 Tüten Dillchips mitbringen? Hier gibt es derartige Suchtstoffe leider nicht 😉

  2. Christina

    Sehr interessanter Blog, ich habe mit Freuden und großem Interesse gelesen.

    In der Tat erscheint mir die Verträglichkeit der wichtigste Punkt zu sein. Mein Kleiner macht mit seinen 6,5 Kilos schlicht bei nahezu jedem Futter Haufen wie eine dänische Dogge und das gerne fünfmal am Tag. Ich habe schon sehr vieles getestet, von Innereien bekommt er Durchfall und viele Dosen enthalten mehr Innereien als sonstwas. Solches Futter kann ich gleich vergessen. Bis jetzt hat er nur die Marke Pfotenliebe wirklich gut vertragen. In der Tat sind bei diesem Futter allerdings keine Vitamine und nicht ausreichend Mineralien zugesetzt. Vermutlich verträgt mein Hund das Futter, weil keine Innereien verarbeitet werden.

    Derzeit teste ich Anifit. Hat er heute erstmal glatt stehen gelassen. Mein Schrank ist voll mit verschiedenen Futtersorten, die Timmi bis jetzt nicht besonders gut vertragen hat. Auch Fertigbarf habe ich probiert, irgendwie steht er nicht drauf. Er mag aber durchaus Hühnerhälse und Kalbsbrustbein. Rohe Innereien frisst er nicht.

    Discounterware habe ich bis jetzt nicht getestet, ehrlich gesagt schreckten mich 4% Fleisch durchaus ab. Es ist nicht so ganz einfach, die eigene Wahrnehmung zu reflektieren, umso besser finde ich die Anregung in deinem Blog, genau das zu tun. Ich bin schon sehr gespannt auf deine weiteren ‚Untersuchungsergebnisse‘.

    Liebe Grüße Christina

  3. Andre

    Hallo Bettina,

    zu „THP-Zeugs“ muss man ergänzen, daß leider zu viele (offenkundig unprofessionelle, da nachweislich nicht wissenschaftsbasierte und gewinnorientierte) Tierärzte auf den Hokus-Pokus-Zug mit aufgesprungen sind.

    Wenn jemand an das Geld des Hundebesitzers will, dann muss man immer sehr skeptisch sein und auch Tierärzte sind hier als Verkäufer nur einfache, daher unprofessionelle Gewerbetreibende.

    Aber es zählt immer der Einzelfall und Kompetenz muss bewiesen und Vertrauen verdient sein, deshalb wie bei jeder Produktsuche muss man eben kundig sein als Kunde! (Gilt für TÄ´s, sogenannte THP´s halte ich ausnahmslos ALLE für Scharlatane und Quacksalber, da völlig wissenschaftsfern, ohne Kompetenz und Evidenz!)

    🙂 Grüße

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