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Standardliteratur in der Hundeernährung

Standard-Lieteratur zur Hundeernährung, die man gelesen haben sollte

Ernährung ist lebenswichtig für jeden Organismus. Weltweit wird für fast jede Spezies kontinuierlich geforscht, welche Nährstoffe für Wachstum und Erhalt in jeder Lebenssituation nötig sind. Für Menschen wird dies überlagert durch Trends, Vorlieben, Preise und Gesinnungen, während es bei Nutztieren inzwischen bis zur taggenauen Präzisionsernährung im Hinblick auf Leistung, Verfügbarkeit und Kosten komplett analyse- und rechenbasiert erfolgt. Für den Hund wird die Ernährung immer mehr vermenschlicht, so dass Mythen und Werbung für die meisten Hundehalter wichtiger sind als Fakten.

Hannes, sein Frauchen und dieser Blog orientieren sich strikt an der Wissenschaft. Faktenbefreites Gelabere und unterhaltsame Einzelmeinungen sind für uns irrelevant. Damit Ihr Euch selber ein Bild über die Faktenlage machen könnt, folgen hier die wichtigsten anerkannten Standardwerke zur Lektüre.

NRC 2006

National Research Council:
Nutrient Requirements of Dogs and Cats
2006

Dies ist mit Sicherheit die weltweit wichtigste Publikation zur Ernährung des Hundes – nahezu jede Abhandlung zur Ernährung des Hundes bezieht sich darauf. Das National Research Council sammelt und bewertet die wichtigsten wissenschaftlichen Publikationen zur Ernährung von u.a. Hunden, fasst sie zu einem greifbaren Erklärungsansatz zusammen und leitet daraus generalisierte relevante Ernährungsprinzipen ab. Im Comittee ist u.a. auch Prof. Ellen Kienzle vertreten. Ein online lesbarer Auszug mit einigen Kapiteln findet sich bei Google Books, eine Kurzfassung direkt bei den National Academies.

Meyer/Zentek

Jürgen Zentek, begründet von Hans Meyer:
Ernährung des Hundes Grundlagen – Fütterung – Diätetik
2016

Die Bibel der Hundeernährung im deutschsprachigen Raum. Es werden alle grundlegenden Zusammenhänge der Ernährung dargestellt und für die praktische Anwendung in handlichen Tabellen aufbereitet. Besonders wichtig sind die Ernährungsprinzipen in besonderen Stoffwechsellagen. Allgemein wird der Nährstoffbedarf immer noch auf das Körpergewicht bezogen – alle neueren Standardwerke beziehen sich nur noch auf das Stoffwechselgewicht – und daher sind die Zahlenangaben teilweise veraltet. Nichts desto trotz ein ungemein wichtiges Werk, um das ganze Thema überhaupt im Ansatz zu verstehen. Im September 2022 ist nun die 9. Auflage erschienen. Ich weiß noch nicht, ob die Rechenwege und daraus resultierende Zahlenangaben nun aktualisiert wurden. Umfängliche Leseproben findet man in der Vorschau der 6. Auflage.

FEDIAF

Nutritional Guidelines for Complete and Complementary Pet Food for Cats and Dogs

„The European Pet Food Industry Federation“ (FEDIAF) ist der Verband der europäischen Heimtierfutter-Industrie. Er setzt sich zusammen aus 18 nationalen Verbänden sowie 5 weltweit operierenden Herstellern (Affinity Petcare, Hill’s Pet Nutrition, Mars PetCare, Nestlé Purina Petcare and Wellpet). Dies kann man jetzt auf verschiedene populäre Arten werten: Verband der Restverwerter aus der Fleischindustrie, Verband der Verbraucherabzocker oder Verband der Experten. Für mich ist es der Verband der Experten, denn im „Scientific Advisory Board“ sind u.a. Prof. Zentek (FU Berlin) und Dr. Dobenecker (LMU München) vertreten. Einmal jährlich erscheint ein Update der Nutritional Guidelines. Diese Guidelines basieren auf dem NRC, aber nehmen aktuelle weltweite wissenschaftliche Erkenntnisse zeitnah auf und geben die Quellen dafür auch nachvollziehbar an. Es handelt sich um ein vollständig frei downloadbares PDF. Dieses Dokument ist sehr konkret und kompakt aber setzt die Grundlagenkenntnisse von NRC und Meyer/Zentek voraus. Wer diese inhaliert hat, kann hervorragend damit arbeiten. Der deutsche „Industrie Verband Heimtierbedarf“ (IVH) hat sich in 2018 die Mühe gemacht, die Nutritional Guidelines ins Deutsche zu übersetzen. Dies kann dem einen oder anderen Leser das Verständnis erleichtern, auch wenn sich inzwischen einige Werte verändert haben.

Klinische Diätetik

Hand/Thatcher/Remillard/Roudebusch:
Klinische Diätetik für Kleintiere/Small Animal Clinical Nutrition

Der ungefähr dickste, praxisorientierteste und verständlichste Schinken der Basisliteratur in 2 Bänden aus USA, Herausgegeben vom Mark Morris Institute. Dieses Werk ist die US-Bibel der Hundeernährung. Auch hier hat der bundesdeutsche Papst der Hundeernährung, Prof. Zentek mitgewirkt am Kapitel „Entwicklungsstörungen des Skeletts bei Hunden“. Die aktuelle Ausgabe scheint die 6. Auflage zu sein, von denen man einige Kapitel kostenlos online lesen kann. Das gesamte Buch kann man sich in der 5. Auflage kapitelweise in englischer Sprache herunter laden. Aber es kommt noch besser: Das Buch wurde ins Deutsche übersetzt und fast der gesamte erste Band mit den Grundlagen kann auf Google Books gelesen werden.

Kleiner Hinweis am Rande: Dieses Werk mit etwa 1500 Seiten geballtem Wissen ist von Hill’s gesponsert. Da wird sich jetzt der eine oder andere mit Symptomen von Verfolgungswahn bestätigt fühlen, dass die Tierärzte ja alle „gekauft“ seien – ich hingegen bin froh, dass es solche Unternehmen gibt, die sich wirkliche Forschung leisten und die Ergebnisse auch teilen.

Encyclopedia of Canine Clinical Nutrition

Pibot P., Biourge V., Elliott D.A.
Encyclopedia of Canine Clinical Nutrition
2007

Etwas handlicher, aktueller, komplett in Deutsch und (nach Registration) komplett umsonst online lesbar ist die Enzyklopädie, gesponsert von Royal Canin. Auch hier hat unser bundesdeutscher Ernährungspapst, Prof. Zentek mitgewirkt am Kapitel „Physiologie des Verdauungsapparates“. Ach ja: Registration erforderlich – aber man bekommt bei IVIS damit auch Zugang zu allerhand weiteren wertvollen Informationen…

Handbook of Canine and Feline Clinical Nutrition

Nestlé Purina PetCare
Handbook of Canine and Feline Clinical Nutrition
2010

Noch handlicher, aktueller und sehr gut strukturiert das tägliche Nachschlagewerk von Purina als pdf. Ausnahmsweise ohne Mitwirkung von Prof. Zentek – dafür mit anderen weltweit bekannten Autoren. Registration erforderlich. Und ja, mir ist Purina als Marke von Nestlé bekannt und ich finde das hier in Ordnung.

Zugang zu wissenschaftlichen Werken

Alle vorgenannten Werke enthalten jeweils eine lange Liste von Quellen, in denen weitere Recherche lohnt. Als Nicht-Mitglied der wissenschaftlichen Forschung bekommt man meist keinen Zugang zu den Artikeln in Wissenschaftsportalen. Hier hilft gelegentlich eine Titelabfrage im sci-hub.

Veröffentlicht unter Grundlagen

1 Kommentar

  1. Andre

    Hallo Bettina,

    mit sci-hub wäre ich vorsichtig, da die Zugriffe nach deutschem Urheberrecht rechtswidrig und (zumindest für den tatsächlichen Nutzer) strafbar sind. Aber ich geb Dir Recht, daß es für „Nicht-Mitglieder der wissenschaftlichen Forschung“ oder sagen wir einfach Nicht-Universitätsangehörige etwas schwerer ist an aussagekräftige Fachliteratur oder explizite Suchtitel zu kommen (Ein Problem, daß ich selber i.d.R. zum Glück nicht habe 😉 ). Es gibt aber auch mittlerweile viel frei Verfügbares, von den Autoren meist selbst bereitgestellt, man muss nur etwas suchen (z.B. unter „Jürgen Zentek“ bei researchgate oder generell bei Google-Scholar)

    Zur Literatur will ich noch ergänzen, daß Neu-Auflagen die älteren nicht unbedingt gegenstandslos machen, es ist wichtig auch synoptische Vergleiche zu machen, hierzu kann ich auf jeden Fall noch diese beiden empfehlen:

    Mangold, Ernst
    Ernährung und Fütterung des Hundes
    Zeitschrift für Hundeforschung, Neue Folge Band XI, 1938
    Verlag Dr. Paul Schops, Leipzig, 1938

    Meyer, Helmut
    Ernährung des Hundes
    Eugen Ulmer Verlag, Stuttgart, 1983
    (1. Auflage zu Zentek, 2022!)

    Superlative wie „Bibel“ oder „weltweit wichtigste“ sind auch nicht wirklich zutreffend. Alle Publikationen haben Mängel oder Fragwürdigkeiten oder ergänzen sich.

    Eine „gute Wissenschaft“ wirft auch immer wieder neue Fragen auf, wobei sie nie wirkliche Beweise liefern kann, nur Evidenzen.

    Gelesen haben sollte man aber die benannten Quellen mindestens, wenn man sich tiefergehend mit dem Thema beschäftigt … es gibt aber auch noch sehr viel anderes Wissenschaftsbasiertes, so im Besonderen eben auch primäre Publikationen (besonders Review-Artikel).

    Über die Fernlehe der örtlichen Stadtbibliothek lässt sich auch einiges bestellen.

    Wichtig ist dran zu bleiben und zu hinterfragen, pauschale Antworten kann es niemals geben, sonst wäre der Hund eine Maschine.

    🙂 Grüße

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