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Nahrungsergänzung für Hunde? Natürlich!

Haferflocken

Warum der moderne Haushund seinen Nährstoffbedarf heute nicht mehr über die Nahrung decken kann und deshalb Zusatzstoffe nötig sind – und warum die genau nicht natürlichen Ursprungs sein müssen.

  1. Wohnen
  2. Arbeiten
  3. Essen
  4. Gesundheit
  5. Mode
  6. Was Hund braucht
  7. Wo das herkommt
  8. Warum Natur?

1. Wohnen

Noch vor wenigen Jahrzehnten lebte die Mehrheit der Hunde draußen. Das ganze Jahr, bei Wind und Wetter und bei Tag und Nacht. Oft durfte er in einem großen Gelände umherstreifen. Meist hatte er eine ungeheizte Hütte, die zumindest vor Wind und Regen schützen konnte. Nicht selten durfte er wahlweise einen Stall mit benutzen, war in einem Zwinger eingesperrt oder auf dem Hof angekettet. Nur wenige vermögende, aber oft einsame, ältere Damen konnten und wollten sich ein Schoßhündchen leisten, das mit ihnen in einem warmen Zimmer lebte.

Schon dadurch brauchte der Hund kontinierlich eine ziemlich hohe Menge Energie allein für die Thermoregulation. Im Winter brauchte er nicht nur ein langes, dichtes, leicht stehendes und somit isolierendes Fell plus Unterhaut-Fett – er musste auch seine Muskulatur durch Bewegung warm halten, im Notfall durch Zittern – das kann schon mal bis zu 90% mehr als der Normal-Umsatz sein. Im Sommer brauchte er kein dichtes Fell oder Unterhaut-Fett, konnte durchaus Schatten oder Wasser zur Abkühlung nutzen – aber war sehr mit Hecheln beschäftigt, um sich runter zu kühlen. Somit brauchte er viel Energie

  • im Herbst, um eine Isolierung aus Fett und Haaren zu produzieren,
  • im Winter für Bewegung gegen die Auskühlung,
  • im Frühjahr, um isolierendes Fell und Fett loszuwerden und
  • im Sommer, um sich durch Hecheln vor Überhitzung zu schützen.

Der moderne Haushund lebt ganzjährig bei 23°C im Haus, seit der Gaskrise nur noch bei 20°C. Mit Glück darf er ein bis zwei Stunden täglich mit seinem Halter das Haus verlassen – wird aber dennoch keinen Temperatur-Schock erleiden, denn im Winter bekommt er Schühchen und Mäntelchen gegen die Auskühlung angezogen – im Sommer geht man nur frühmorgens oder spätabends, möglichst bei Dunkelheit, mit dem Hund raus und zwischendurch gibt’s Hunde-Kühlmatten, den Hundepool oder gelegentlich Hundeeis, um Überhitzung vorzubeugen. (Wobei letzteres die Innentemperatur sogar nach oben treibt und dann tatsächlich kurz den Energiebedarf ankurbelt…)

Natürlich darf Hund heutzutage weder unter 15°C Außentemperatur im Auto warten (dann erfriert er) noch über 20°C (dann wird er gegrillt) – daher ist die Klimaanlage im modernen Hundeauto absolut unentbehrlich. Und die Haarfrage wird mit Hilfe des Hundefrisörs und einem besonders leistungsstarkten Staubsauger eliminiert.

2. Arbeiten

Ebenfalls war es vor wenigen Jahrzehnten noch üblich, dass der Hund kein schmusendes Familienmitglied war – sondern mehr ein Vollzeit-Mitarbeiter, der gnadenlos ausgebeutet wurde (also nix mit 40-Stunden-Woche und Mindestruhezeiten…).

Fast jede Rasse gibt es allein deshalb, weil deren Bau- und Wesensart so vom Menschen gestaltet wurde, dass sie für den Menschen nützlich ist. Der Hund hatte eine körperliche Aufgabe, wie Mensch auch. Und diese Aufgabe kostete Energie, die dann wieder durch Futter reingeholt werden musste. (Siehe zu diesem Thema Kapitel 7.2. der FEDIAF) Wer keine hundgerechte Arbeit zu vergeben hatte (oder diese selber verrichten musste), hat sich auch keinen Hund zugelegt. Als Lebensaufgabe wurden Hunde zu Spezialisten im

  • Bewachen von Haus und Hof: Sie patroullierten tags und hauptsächlich nachts über den eigenen Grund und vertrieben Eindringlinge.
  • Ausrotten von Schädlingen: Sie jagten und fraßen Mäuse, Ratten oder Marder, um die Ernte zu schützen.
  • Schützen von Herden: Sie waren Teil der zu schützenden Herde, wachten rund um die Uhr über ihr Wohlergehen und vertrieben bei Bedarf hungrige Füchse, Wölfe und Bären.
  • Hüten und Treiben von Herden: Sie hielten die Herden von Schafen oder Kühen zusammen und brachten sie von Weide zu Weide, wenn diese abgegrast waren. Damit die Viecher sich nicht eigenständig Wege und Nahrungsquellen suchen und weil Mensch viele große Tiere gar nicht alleine flächig dirigieren kann, ersetzt der wendige und ausdauernde Hund die Assistenz von ziemlich vielen Menschen auf dem Weg von A nach B.
  • Jagdhilfe für Menschenfutter: Sie spürten Wild auf, hetzten es zu Tode oder sammelten die erlegten Beutetiere des Menschen ein, weil Mensch zu blöd, zu langsam oder zu faul war dafür.
  • Transport von Mensch und Waren: Hunde zogen Schlitten und (Milch-)Wagen und alles, was dem Menschen sonst noch zu schwer zu tragen – aber für den Einsatz von Pferd & Ochs (falls überhaupt vorhanden) zu leicht – war.
  • Geld verdienen im Kampf, wenn ihre (üblicherweise männlichen) Besitzer es müde waren, selber in den Ring zu steigen um andere Männer im Box- oder Ringkampf niederzuknüppeln bzw. sich selber zusammenschlagen zu lassen.

All diese Hunde hatten einen Beruf, eine Lebensaufgabe. Sie verbrauchten allein für ihr Tagwerk ein Vielfaches an Energie von dem, was der moderne Sofahund an Kalorien verbraucht, während er in der wohltemperierten Wohnung wartet, dass Mensch nach 8-10 Stunden von der Arbeit kommt und mit Hund um den Block latscht.

Übrigens hatten auch die zugehörigen Menschen eine energieintensive Aufgabe, die heute weitgehend von Digitalkameras, Gift & Fallen, Elektrozäunen, Offenställen, Fleischtheken im Supermarkt, Kraftfahrzeugen und Computerspielen erledigt werden.

3. Essen

Man kann sich vorstellen, dass draußen lebende Hunde mit einem Beruf tatsächlich viel Energie brauchen. Da kann man ganz entspannt ausreichend Protein und sämtliche nötigen Mikronährstoffe mit großen Portionen Getreidebrei nebst bissl Schwarten und ein paar (seltenen) Schlachtresten in den Hund bekommen, ohne dass irgendein Mangel droht.

Genauso sind auch heute noch Menschen, die unser Essen herstellen, täglich massenhaft Waren verräumen oder ausliefern, unsere Häuser und Straßen bauen oder für Ironman trainieren mit reichlich kalorienreichen und nährstoffarmen Lebensmitteln rundum versorgt und können ihre Figur halten, während die Bürohocker sich mit Fast Food mangelernähren und halbwegs die Figur bewahren oder deren Figur sich tendenziell immer mehr in die Breite bewegt.

Schauen wir uns das mal im Detail an: Wir nehmen unseren 15kg-Standard-Hund, der als Haushund einen Energiebedarf von 3,1MJ hat. Nehmen wir an, er hat einen Vollzeit-Job als Hütehund und braucht deshalb 6,4MJ am Tag. Um ihn satt zu bekommen, kriegt er täglich 440g Getreide – irgendwie mit einer Prise Salz zu Brei verarbeitet, so dass auch die Phytinsäure weitgehend eliminiert wird. Dazu bekommt er wöchentlich 5-6 Eier mit Schale für Kalzium sowie gelegentlich etwas Lammleber für Kupfer und einen Hering für Vitamin D. Wenn er dann noch gelegentlich einen Lamm-Kehlkopf mit Schilddrüse bekommt, wäre sogar sein Jodbedarf gedeckt (nicht einberechnet). Das sieht dann so aus:

Gewicht der Menükomponenten Fisch1%Fleisch1%Milch Ei9%Samen88%Zusätze0% Bedarfsdeckung in % 205Energie151Protein109Fett100% Aminosäuren Bedarfsdeckung in % 152Prot251Arg263His241Ile226Leu208Lys121Met138MC236Phe244PT179Thr171Trp227Val100% Mineralstoffe Bedarfsdeckung in % 186Ca198P166K96Na166Cl300Mg151Cu18J201Fe1122Mn0Se*81Zn100% Vitamine Bedarfsdeckung in % 402A100D70E567B163B2216B5473B6102B121011B3779B9100% Fett-Kennzahlen 1001501500LA%14125100ω6:ω36.7301001000ALA/ω3450.61.171.170Vit.E/ω1.17

Dieses Bild zeigt sehr deutlich, dass Getreide alles andere als ein „billiger Füllstoff“ ist – es ernährt nicht nur die Menschheit rund um den Globus – es taugt auch perfekt, um den arbeitenden Hund sehr gut zu ernähren!

Würden wir hingegen den heutigen arbeitslosen Sofahund oder den nahezu unbewegten Call-Center-Agent genauso ernähren, dann würden beide aufgehen wie ein Hefeteig und zusätzlich gravierende Nährstoffmängel provozieren. Das nennt man Fehlernährung. Essen ist Leben! Besonders, wenn im Leben sonst nichts passiert…

Und nein: Zweimal wöchentlich als Mensch 3-4km langsam joggen oder Samstags Nachmittags mit dem Sofahund 3 Stunden zum Agility gehen, wo der Hund 2 mal 5 Minuten einen Parcour überwindet und den Rest der Zeit aufgeregt vor sich hin hechelt, ersetzt weder für Mensch noch für Hund ausdauernde Bewegung und rechtfertigt keine Sportler-Ernährung!

Weder der modern unterbewegte Mensch noch Hund brauchen mittelalterliche Mengen an Kalorien. Aber dennoch brauchen sie immer noch dieselbe Menge Nährstoffe, die in dieser Konstellation nicht mehr auf natürlichem Weg mit traditionellen Lebensmitteln in angepasster Menge zugeführt werden können.

4. Gesundheit

Der Mensch wird ja rund um die Uhr über sämtliche Medien aufgeklärt, wie er sich gesund ernährt. Der aktuelle heilige Scheiß ist rein pflanzlich, weil Tier „ungesund“ ist, Antibiotika-verseucht, klimaschädlich und mit Tierquälerei durch Massenhaltung einhergeht.

Für den Hund (und by the way auch für den Menschen) gilt:

  1. Er bekommt so viele Kalorien (Energie), dass er sein (ideales) Gewicht hält. Nicht mehr und nicht weniger. Ist individuell auszutesten – eine Modellrechnung ist immer nur ein Näherungsversuch.
  2. Er bekommt so viel Protein, dass alle Aminosäuren ausreichend drin sind.
  3. Er bekommt ausreichend essentielle Fettsäuren (O3 und O6).
  4. Energie kann mit beliebigem Fett und Kohlenhydrate bis zur Gewichtsgrenze aufgefüllt werden:
    • Hund bevorzugt Fett als Kalorien-Füller.
    • Hund kommt mit Kohlenhydraten sehr gut klar.
    • Es ist im Interesse der Bauchspeicheldrüse (langfristig gesehen) klug (gegen den Wunsch des Hundes), Fett zu limitieren und Kohlenhydrate als veritable statt homöopatische Energiequelle zu akzeptieren.
  5. Er braucht unabhängig vom Energiebedarf Mineralien, Spurenelemente und Vitamine, die in den gerne gefütterten Energiequellen nicht von Natur aus und schon gar nicht ausreichend drin sind.
  6. Neben ausreichend Nährstoffen braucht er regelmäßige ausdauernde Bewegung für Muskeln und Gelenke.

Alle 6 Punkte müssen erfüllt sein, damit der moderne Sofahund lange und gesund leben kann. Abschließende Liste der Voraussetzungen. Es braucht keine Kräuterorgien, keine „Kuren“ mit irgendwas, keine „essbaren Erden“, keine „Vitalpilze“ und auch keine „funktionalen Leckerlies“. Echt nicht. Nie nicht.

Und genau hier liegt der Hase im Pfeffer: Punkt 5 wird gerne ignoriert, weil Mensch da keine Ahnung von hat, keine Lust sich damit zu befassen und von allen Kanälen beschossen wird, was gerade ultimativ toll sei für irgendwas Phantasievolles. In Wahrheit ist dies der wichtigste Teil der Ernährung für Hund (und Mensch).

Nur damit kann man sicher stellen, dass die Knochengesundheit aufrecht erhalten wird, dass der Elektrolyt-Haushalt funktioniert, dass Hund seine Enzyme, seine Hormone, seine Verdauung, seine Haut(&Fell) und sein Verhalten dauerhaft gesund aufrecht erhält.

Und Punkt 6 wird ebenfalls gerne ignoriert, weil es ja jede Menge (in der Regel zweifelhafte) Nahrungsergänzungsmittel gibt, um (sogar bloß „erwartete“!) Gelenkprobleme wegzufüttern.

Jetzt skalieren wir mal das obige Getreide-Rezept auf das Maß, womit derselbe 15kg-Hund in der Arbeitslosen-Sofa-Fraktion bloß noch seine üblichen 3,1MJ bekommt. Man sieht sehr schön, dass derselbe Hund mit derselben Futtermischung ohne Arbeit wahlweise wie oben gesehen in kürzester Zeit explodieren würde oder angemessen gekürzt zwar seine Figur halten dürfte, aber mit etlichen Mängeln klar kommen müsste. Hier hat die Fehlernährung in keinster Weise irgendwas damit zu tun, dass die heutigen Lebensmittel wegen Bodenerosion nährstoffärmer seien als früher – es hat einzig und allein mit der Menge zu tun!

Gewicht der Menükomponenten Fisch1%Fleisch1%Milch Ei9%Samen88%Zusätze0% Bedarfsdeckung in % 100Energie74Protein53Fett100% Aminosäuren Bedarfsdeckung in % 75Prot122Arg128His117Ile110Leu102Lys60Met68MC115Phe119PT87Thr85Trp110Val100% Mineralstoffe Bedarfsdeckung in % 92Ca97P82K48Na80Cl146Mg75Cu9J99Fe547Mn0Se*40Zn100% Vitamine Bedarfsdeckung in % 196A49D34E276B130B2105B5229B650B12493B3380B9100% Fett-Kennzahlen 1001501500LA%6925100ω6:ω36.7301001000ALA/ω3440.61.161.160Vit.E/ω1.16

Was passiert also, wenn Punkte 5 und 6 nicht dauerhaft erfüllt sind?

  • Hund juckt sich -> Oh, wir müssen dringend eine Bioresonanz machen! Oder vielleicht eine Ausschlussdiät (bevorzugt mit Reinfleischdosen und ohne genaue Anamnese)? -> Macht ja jeder so, weil die Werbung das sagt.
    => Wer schaut sich denn mal die Hautflora an und testet mal auf Umweltallergien?
    => Wer schaut denn mal auf Zink (Zn), B-Vitamine, Vitamin E und Linolsäure (LA%) im Futter?
  • Hund hat Verdauungsprobleme -> Oh, wir müssen dringend Ausschlussdiät (bevorzugt mit Reinfleischdosen und ohne genaue Anamnese) machen! Oder nee – wir könnten auch Flohsamenschalen oder „Diätetische Fasern“ füttern! Oder noch besser: Wir lassen die Kotflora analysieren und werfen Mikroben in den Hund! Oder doch Bioresonanz? -> Macht ja jeder so, weil alle in Facebook das sagen!
    => Wer schaut denn mal bildlich in Magen, Darm und Bauchspeicheldrüse?
    => Wer schaut denn mal auf die bereits vorhandenen Fasern im Futter (nicht im Bild) und auf Vitamin B12?
  • Hund benimmt sich komisch -> Oh, wir müssen dringend die Schilddrüse in Ordnung bringen! Dafür müssen wir zwingend 8 Blutwerte bestimmen lassen – dann wird das schon! -> Macht ja jeder so, weil „Spezialisten“ das behaupten!
    => Wer schaut denn mal auf Jod im Futter?
  • Hund läuft nicht rund -> Oh ja, wir müssen dringend Grünlipp-Muschel, MSM, Glucosamin, Chondroitin, Kurkuma und Teufelskralle ergänzen! – Geht ja gar nicht anders, weil die Vertriebler das behaupten und täglich neue Produkte auf den Markt kommen.
    => Wer schaut denn mal auf Figur und Bewegung?
  • Hund hat Fellprobleme -> Da müssen wir Biotin aus Eigelb einwerfen! Das hat Swanie geschrieben! Das ist heilig!
    => Wer schaut denn mal auf Zink (Zn), B-Vitamine oder Linolsäure (LA%)?

Merkste selber, oder?

Anstatt werbungsinduzierten Quatsch in den Hund zu werfen, um das akute Problem zu übertünchen, wäre es wirklich hilfreich, anzuerkennen dass der zeitgemäße Sofahund ganz sicher gar nichts mehr mit einem Wolf zu tun hat und Marketing sowie herumdoktern den Hund nicht in Ordnung bringt. Der erste wichtige Weg nach der physiologischen Abklärung mit dem (Fach-)Tierarzt besteht darin, die Ernährung zu überprüfen.

Ja, mir ist klar, dass es den meisten Hundehaltern sehr schwer fällt, einem Tierarzt zu vertrauen – während das populäre Gelabere von Werbetreibenden und vermeintlichen „Experten“ total überzeugend klingt und zusätzlich kostenlos im Internet zu googeln ist und rund um die Uhr verfügbar ist. Das ändert aber nichts daran, dass dies der Holzweg ist.

5. Mode

Aktuell ist es völlig unmodern, den Haustierarzt zu befragen. Der ist ja ohnehin uninformiert und sowieso gekauft. (In Wahrheit weiß genau der in der Regel sehr gut, was hilft und vor allem: Was NICHT hilft – schon allein durch den Patientendurchsatz und die tägliche gesehene und geübte Praxis inklusive endlosem Geschwurbel, das beratungsresistente Patientenbesitzer reflexartig abspulen).

Es ist derzeit total angesagt, nachweislich wirksame Untersuchung, Behandlung, Medizin oder ggf. erwiesenermaßen geeignetes Medizinalfutter gegen die genannten Wehwehchen abzulehnen und stattdessen fragwürdiges Zeugs von werbewirksam angesagten Start-Ups (natürlich basierend auf persönlicher Meinung, Bio und lokal (vom anderen Ende der Republik aus gesehen) oder wenigstens regional (so einmal quer über den Globus oder wenigstens durch Europa betrachtet)) einzuwerfen.

Und wenn da die Werbung nicht ausreicht, dann ist ein Tierheilpraktiker natürlich der Experte der Wahl, weil er eben nicht von „der bösen Industrie“ gekauft ist, und sich stattdessen auf die Natur und tradierte „Werte“ bezieht. Zudem hat er ja eine Prüfung abgelegt, dass er Patienten nicht schadet (dass er heilen kann, wird nicht geprüft).

Nährstoffe gehören willkürlich eingesetzt in Shampoo – aber als synthetische Stoffe will man sie nicht in Nahrung für das Fellkind sehen und bevorzugt es daher, den Hund mit Zusatzstoff-befreitem Futter mangelhaft zu ernähren.

Leute, jetzt mal ernsthaft: Seid Ihr wirklich völlig verblödet, Wissen und Fakten abzulehnen (wegen böser Wirtschaft als „wahrer“ Motor von Wissenschaft und so) und stattdessen auf Laien und Marketing zu hören (was natürlich nicht zutreffend ist, da ja regional und Bio und tradiert und so?)

Ja, es ist unmodisch, dem Hund Fertigfutter zu füttern. Erst recht aus dem Supermarkt. Weil: Da weiß man ja nicht, was genau drin ist (was ohnehin kaum ein Konsument bewerten könnte, selbst wenn es aufgeschrieben wäre, weil er davon schlicht keine Ahnung hat – außer halt marketing-getriggert) und zusätzlich sind da ja tödliche chemische Zusatzstoffe drin.

Da kann man gerne mal ignorieren, dass die Mehrheit der bundesdeutschen Hunde damit ernährt wird und gesund ist und dies auch von beispielsweise Stiftung Warentest nachvollziehbar begründet ist – aber die sind ja gekauft und betrügen bei den Laborwerten. Nicht.

Ebenso ist Gesinnungsfütterung in der Regel keine gute Ernährung. Wer Tierschutz will, legt sich keinen Fleischfresser zu. Wer Bio will, erzeugt sein Futter selber. Wer vegan füttern will, legt sich ein Kaninchen zu. Wer mit überteuerten Superfoods „unterstützen“ will, esse das selber. Wer „chemiefrei“ füttern will, sollte ein Tamagotchi füttern – alles andere Essbare ist auch nur Chemie. Wer seiner röchelnden Plattnase wolfsmäßig Beutetiere nachbaut oder gar im Ganzen verfüttert, sollte sein Weltbild überdenken. All das sind Ernährungskonzepte, die irgendwelchen Trends folgen und auf (mehr oder minder „Phantasie“-)Zutaten fokussieren statt auf Nährstoffe. Hund braucht keine Zutaten – er braucht Nährstoffe. Und zwar vollständig und ausreichend. Mensch übrigens auch.

Je mehr lautes Gelabere und Bashing völlig substanzlos von paranoid neben der Spur laufenden Leuten betrieben wird, desto mehr wird geglaubt. Und desto absurder wird die Diskussion darüber. Im Gegensatz dazu erhält jeder Fachmann bzw. jede Fachfrau totalen medialen Gegenwind, wenn man sich einfach auf Praxis, Wissenschaft und gesunden Menschenverstand bezieht.

Ihr erinnert Euch sicherlich an das Meme von Uli Stein:


Bildquelle: https://www.ulistein-onlineshop.de/media/images/info/9394.jpg

Das ist der Trend. Du bist ein Teil davon oder ein Opfer. Oder liebst Deinen Hund nicht. Oder Deine Umwelt. Oder alles davon. Mehr nicht. So lange, bis Du Dich im Detail damit befasst. Dazu reicht es nicht, irgendwelchen Stuss auf Affiliate-Seiten oder von hochbezahlten „Influencern“ zu lesen und unreflektiert und ungefiltert weiter zu tragen. Du solltest wissen, worauf es ankommt.

6. Was Hund wirklich braucht

Wie bereits erwähnt – Hund braucht unverhandelbar und unabhängig vom individuellen Kalorienbedarf:

  • Aminosäuren. Die sind Bestandteil jeglichen Proteins. Sie werden beurteilt nach dem Aminosäurenmuster und der Verdaulichkeit. Letztere ist nicht numerisch zu evaluieren. Generell ist Muskelfleisch und Pflanzenprotein (ggf. mit Zusatzbehandlung) hochverdaulich. Je mehr Bindegewebe (Kollagen) im Protein enthalten ist – desto schwerer kann Hund das zerlegen, aufnehmen und verbauen. Daher sind Produkte aus Haut und Knochen sehr schwer verdaulich und somit die Aminosäurenzusammensetzung nachrangig. Denn es nützt ja nix, wenn diese in perfektem Mischungsverhältnis drin sind aber nicht aufgenommen werden können. Komplett unverdaulich sind Keratin-Proteine, woraus Federn, Krallen, Hufe, Haare bestehen.Niemand sammelt das ein, um es ins Hundefutter einzumischen, um Kosten zu sparen. Keine Sorge: Ist nicht drin!
  • Fettsäuren. Hund braucht Linolsäure als Omega-6-Fettsäure für Haut & Fell – die findet sich in Geflügelfett oder Pflanzenölen. Wiederkäuer oder Fische brauchen das nicht und produzieren es nicht – somit ist es in deren Fett nicht drin. Zusätzlich ist es vorteilhaft, Omega-3-Fettsäuren maritimen Ursprungs zu füttern, um Hirn und Entzündungsneigung positiv zu stimulieren.
  • Mineralien. Hund hat einen großen Bedarf an Kalzium und Phosphor, um seine Knochen gesund zu erhalten. Zusätzlich wie jedes Säugetier braucht er eine regelmäßige Zufuhr an Elektrolyten (Natrium, Chlorid, Kalium, Magnesium), um seinen Flüssigkeitshaushalt in Ordnung zu halten. Überraschung: Die finden sich z.B. in Knochen oder banalem Kochsalz oder Getreide & Gemüse.
  • Spurenelemente. Sie sind eigentlich auch Mineralien, werden aber nur in geringen Mengen benötigt, um Hormone, Enzyme, Nerven, Blut, Pigmente und vieles mehr für das normale Leben herstellen zu können. Um die angemessen zuführen zu können, braucht es schon detaillierte Kenntnisse in Lebensmittelkunde. Man muss Algen, Getreide und tierische Innereien einbeziehen.
  • Vitamine. Um die vorstehenden Bestandteile nutzbar zu machen, werden Vitamine benötigt als „Katalysatoren“ beim Einbau und Verbrauch der Nährstoffe. Dabei liegt der Nutzen der fettlöslichen Vitamine A, D und E im Wesentlichen für die Sichtfähigkeit, Knochengesundheit und Immunsystem, während die wasserlöslichen B-Vitamine sich hauptsächlich im Nerven-, Verdauungs- und Haut-/Fellbereich nützlich zeigen. Beide Vitamin-Arten finden sich sehr reichlich in tierischen Produkten – Pflanzen sind da eher ungeeignet.

Tja. Nun sind wir an dem Punkt angekommen, wo jeder erst mal abwinken will. Es ist einfach nicht so einfach.

Man sollte sich verlassen können auf Hundefutter-Hersteller – allerdings sind sehr viele hippe Manufakturen auf einem selbst erdachten Ernährungsweg und haben die notwendigen Nährstoffe und deren Mengen nicht auf dem Schirm – stattdessen finden sie „all natural“ völlig ausreichend. Das trifft für den Arbeitshund zu – aber eben nicht für den überwiegend vorkommenden Sofahund. Verabschiede Dich von der romantisierten zusatzstoffbefreiten Hundeernährung. Das ist der Holzweg. Hund braucht Nährstoffe und keine Zutaten!

7. Wo die Nährstoffe herkommen

So, wir haben inzwischen mehr als reichlich gesehen, was für ein Humbug bezüglich Hundeernährung geglaubt wird. Aktuell ist der Konsumenten-Konsens, dass Hund hauptsächlich mit Fleisch ernährt werden soll und Getreide ein „billiger und unnötiger“ Füllstoff ist. Außer Fleisch für die Muskelbildung wollen die Menschen Gemüse und Obst in den Hund werfen, um den Vitaminbedarf zu stillen.

Dank des omnipräsenten BARF-Konzepts glauben die meisten Hundehalter, Hund würde 80% seiner Nahrung aus Fleisch benötigen und 20% aus Gemüse und Obst. Während das BARF-Konzept immerhin noch nährstoffreiche „tierische Nebenprodukte“ wie Knochen und Innereien enthält, um wenigstens ein paar essentielle Nährstoffe in den Hund zu bringen, halten viele Menschen „Nebenprodukte“ für Müll.

Daher glauben derzeit die meisten Leute, man könne den modernen Sofawolf mit Muskelfleisch und Gemüse ernähren und mit Kräutern „unterstützen“. Schauen wir uns mal an, wie gut ein Hund damit ernährt würde. Wir nehmen wieder unseren 15kg-Standard-Hund, der 3,1MJ pro Tag an Energie braucht. Wir machen ihn satt mit generischem rohem Fleisch und Gemüse sowie getrockneten Kräutern. Generisch bedeutet, Tierart und -teil nicht näher spezifiziert und als solches im Bundeslebensmittelschlüssel zu finden. Dies geben wir im Verhältnis 80:18:2, somit bekommt unser Modellhund 338g Fleisch (mit einem Fettgehalt von 14%), 76g frisches Gemüse und 8g trockene Kräuter. Das sieht dann so aus:

Bedarfsdeckung in % 100Energie187Protein402Fett100% Gewicht der Menükomponenten Fleisch80%Gemüse20% Aminosäuren Bedarfsdeckung in % 188Prot397Arg506His349Ile307Leu693Lys210Met158MC256Phe292PT296Thr210Trp300Val100% Mineralstoffe Bedarfsdeckung in % 15Ca84P143K104Na80Cl74Mg33Cu9J146Fe16Mn0Se*115Zn100% Vitamine Bedarfsdeckung in % 35A0D26E96B153B253B5250B6212B121050B359B9100% Fett-Kennzahlen 1001501500LA%5125100ω6:ω31.5301001000ALA/ω3900.6110Vit.E/ω0.82

Man sieht: Der Aminosäurenbedarf des Hundes wird mit dieser Menge Fleisch zuverlässig und reichlich gedeckt. Damit hat es sich aber auch. Die übrigen Mikronährstoffe zeigen erhebliche Lücken. Je nachdem, mit welcher Art von Fleisch und Gemüse man das dann konkretisiert, sind die Lücken real erheblich größer. Hinreichend Zink bekommt man z.B. nur mit Lammfleisch ausreichend in den Hund.

Schauen wir uns jetzt mal den Anteil von Gemüse an den Vitaminen an. Weil da sollen die ja herkommen:

Vitamine aus 76g Gemüse Bedarfsdeckung in % 20A0D8E17B10B218B526B60B1216B347B9100%

Offensichtlich ist das Gemüse ziemlich irrelevant für die Vitaminversorgung des Hundes. Das ist Fakt. Natürlich könnten wir jetzt die Gemüsemenge verfünffachen, um signifikante Vitamineinträge in das Rezept zu bekommen – aber dann hätten wir ziemlich viel Faserstoffe im Futter, die nicht nur den Kot auflockern sondern auch noch die Nährstoffaufnahme behindern.

Schauen wir uns mal an, wie wir hier die Lücken füllen können:

NährstoffNatürliche Quellesynthetische AlternativeBitte bedenken!
Ca – KalziumKnochen, Eierschale, AlgenkalkKalziumphosphat, Kalziumkarbonat,
Kalziumzitrat, Kalziumgluconat
Knochen nur roh verfüttern an Hunde, die das gewöhnt sind. Gefahr von Zahnfrakturen und Perforation des Magen-Darm-Traktes! Knochen liefern auch sehr viel Phosphor und enthalten erhebliche Mengen unverdauliches Protein, dessen Reste die Magen-Darm-Flora stören können.
Eierschale, Algenkalk und Kalziumkarbonat kann bei empfindlichen Hunden Sodbrennen verursachen, weil es im Kontakt mit der Magensäure zu Kohlensäure aufschäumt.
Kalziumzitrat ist nicht mehr zugelassen für die Tierernährung, weil sich niemand zuständig fühlte, dieses Standard-Produkt kostenintensiv erneut zuzulassen. Für Menschen ist es noch erlaubt und frei verkäuflich. Als neueste Alternative kommt gerade Kalzium als Gluconat auf den Markt – davon braucht man ziemlich viel.
P – PhosphorKnochen, InnereienKalziumphosphatKnochen siehe oben. Zusätzlich sind manche Innereien sehr Phosphorreich.
Cl – ChloridSalzNatriumchloridSalz ist Natriumchlorid. Es besteht zu 61% aus Chlorid und 39% aus Natrium. Dabei ist Himalaya-, Stein-, Meer- oder sonstiges Salz einfach nur überteuertes Salz mit Verunreinigungen, die aus irgendeinem irrationalen Grund gehypt werden. Nein, auch mit jodiertem Speisesalz wird Hund seinen Jodbedarf nicht decken.
Mg – MagnesiumAlgenkalk, Hanfsamen, Flohsamen, Weizenkleie, RindereuterMg-Acetat, -Zitrat, -Hydroxid, -Laktat, -Oxid, -Phosphat, -Sulfat, -Chlorid, -ChelatAlgenkalk ist ein hervorragende natürliche Quelle für Kalzium und Magnesium – es ist übrigens identisch mit Düngekalk. Bei pflanzlichen Produkten muss man immer den hohen Fasereintrag berücksichtigen, der die Gesamt-Verdaulichkeit herab- und das Kotvolumen heraufsetzt. Alternativ gibt es viele verschiedene Magnesium-Verbindungen als Reinsubstanz. Allen Verbindungen ist gemeinsam, dass der Magnesiumgehalt durch die verbundenen anderen Elemente sehr gering ausfällt.
Cu – KupferLeberCu-Acetat, -Karbonat, -Chlorid, -Zitrat, –Chelat, -Oxid, -SulfatLeber von Landtieren und Geflügeln speichert Kupfer physiologisch und ist demnach eine gute natürliche Quelle. Allerdings speichern verschiedene Tierarten unterschiedlich viel Kupfer ein: Hühnerleber fast gar nichtGänseleber am meisten. Lebern von Wiederkäuern sind eine gute Kupferquelle – aber auch das kann von Tier zu Tier sehr unterschiedlich ausfallen – je nachdem, wie das Tier ernährt wurde. Zusätzlich ist die Leber auch das Organ, das die meisten Schadstoffe einsammelt.
J – JodAlgenKalziumjodatNur Meeresalgen können überhaupt Jod enthalten, z.B. Spirulina oder Chlorella als Süßwasser-Algen nicht. Üblicherweise ist „Ascophyllum Nodosum“ die natürliche Jodquelle. Je nach Lage des „Erntegebiets“ und Jahreszeit kann der tatsächliche Jodgehalt extrem schwanken. Kaufe niemals ein Algenprodukt als Ergänzung ohne chargenbezogene Jod-Deklaration – das wäre eine Blackbox und im Zweifelsfall nutzlos. Zuverlässig konstant ist die Verbindung Kalziumjodat. Auch wenn Kalzium in der Verbindung enthalten ist, handelt es sich aufgrund der Mini-Menge nicht um eine Kalziumergänzung!
Mn – ManganGetreide, HeidelbeerenMg-Karbonat, -Chlorid, -Oxid, -Chelat, -SulfatGetreide ist eine hervorragende Mangan-Quelle. Laut Bundeslebensmittelschlüssel auch Blaubeeren, aber sonst kein einziges Obst oder Gemüse. Wo da der immense Mangan-Gehalt in den Beeren herkommt und ob der auch in importierten Kultur-Beeren vorkommt, kann ich nicht nachvollziehen.
Interessanterweise ist Mangan an sehr vielen Stoffwechselprozessen beteiligt – und dennoch keine Mangelerscheinungen bekannt. In Fertigfutter wird Mangan selten rein chemisch ergänzt.
Se – SelenMeerestiere, Landtiere, US-GetreideSelenhefe, SelenmethioninZu Selen gibt es keine Werte im Bundeslebensmittelschlüssel, weil diese einfach nicht vorhersehbar sind. Generell findet sich Selen eher in Meerestieren, oft in Landtieren und weniger in Geflügel. Synthetisch wird dieser Stoff üblichwerweise von genmodifizierten Hefen in Nährlösung produziert oder an die Aminosäure Methionin gebunden – dies hat definierte Gehalte. Generell ist Selen ein unklares Thema. Siehe Extra-Beitrag dazu. Selen kann durchaus durch Vitamin E ersetzt werden – das ist leichter kontrollierbar.
Zn – ZinkAustern, Weizenkleie, Hanf- & Flohsamen, Wild-Leber, Kalbsleber, Schwarze SoldatenfliegeZn-Karbonat, -Chlorid, -Chelat, -Oxid, -SulfatEs ist schwer möglich, den Zink-Bedarf des Hundes aus natürlichen und bezahlbaren Quellen zu decken, auch wenn das vorstehende „generische“ Fleisch etwas anderes suggeriert. Finde Dich damit ab, dass der Hund zusätzliches synthetisches Zink benötigt.
A – Vitamin Agelbes, orangefarbenes oder rotes Gemüse, LeberRetinolJegliches gelbe, orangefarbene oder rote Gemüse enthält die Vorstufe von Vitamin A, nämlich ß-Carotin. Hund kann das genau wie Mensch bei Bedarf in Retinol umwandeln und verwerten – zusätzliches Fett zur Aufnahme unterstellt. Das geht besser, wenn die pflanzliche Quelle gegart ist. Sobald man Leber zufüttert, ist man üblicherweise von der Überdeckung von Vitamin A erst mal entsetzt. Das kann man aber meist gepflegt ignorieren, weil Hund da überaus tolerant ist.
D – Vitamin DLebertran, fetter Fisch, Pilze in SonnenlichtCalciferolExistenziell wichtig für die Knochengesundheit. Und nein: Hund kann keine nennenswerten Mengen Vitamin D selber herstellen wie der Mensch. Bei Fisch als Vitamin-D-Quelle extrem saisonabhängig: Im Frühjahr gefangener Fisch enthält signifikant weniger „Sonnenvitamin“ als im Herbst. Manche Fischsorten enthalten das Enzym Thiaminase, welches Vitamin B1 abbaut. Da sollte man sich schon auskennen, bei der Fischwahl – oder den Fisch garen, dabei wird das Enzym abgebaut. Wer keinen Fisch mag oder verträgt, ist auf synthetische Erzeugnisse angewiesen.
E – Vitamin EWeizenkeimöl, ÖlsaatenTocopheroleEs gibt eine Reihe (α – δ) von Vitamin-E-Substanzen mit unterschiedlicher Wirksamkeit. Natürlich werden sie praktisch nur von Pflanzen erzeugt. Es dient dem Zellschutz und lindert Entzündungen bzw. die Neigung dazu. Es ist nicht nur ein Antioxidans für den Hund – es muss zusätzlich vermehrt eingesetzt werden, um mehrfach ungesättigte Fettsäuren vor Verderb zu schützen. Üblicherweise ist schon dafür nicht genügend enthalten. Daher sind die meisten Öle ohnehin mit „tocopherolhaltigen Extrakten natürlichen Ursprungs“ oder synthetischem Vitamin stabilisiert, sie werden auch bei Trockenfutter als Konservierungsmittel verwendet. Als Nahrungsergänzung ist eine Mischung von diversen Tocopherolen unnötig, denn die höchste biologische Aktivität hat die (RRR) α-Tocopherol-Variante.
B1-B12 – B-VitamineLeber, HefeThiamin, Riboflavin, Pantothensäure, Riboflavin, Niacin, Folsäure, Cholin, BiotinB-Vitamine haben viele Funktionen im Nerven-, Verdauungs- und Hautstoffwechsel. Es gibt etliche davon, die sich mehr oder weniger ergänzen. Da sie wasserlöslich sind, verschwinden sie ganz sicher mit austretendem und weggegossenen Kochwasser. Vitamin B1 zerfällt ab 123°C, daher muss bei Dosenfutter dieses zwingend mehr als reichlich zugesetzt werden, damit im Endprodukt noch hinreichend drin ist. Diese Temperatur wird bei Dampfdruck-Garung übrigens auch locker erreicht, so dass es in diesem Fall auch bei selbstgekochtem Futter zwingend zu ergänzen ist. Die übrigen sind nicht so hitzelabil aber Licht- und Sauerstoff-empfindlich. Leber von sämtlichen Tierarten ist extrem reich an allen B-Vitaminen. B12 kann ohnehin nur von Tieren hergestellt werden. Hefen produzieren ebenfalls B-Vitamine – aber nur lückenhaft gemessen am Hundebedarf und zusätzlich reagieren empfindliche Hunde nicht selten auf Hefen.
LA% – LinolsäureGeflügelfett, Pflanzenöle, Nüsse und ÖlsaatenkeineLinolsäure ist essentiell für die Hautgesundheit. Es handelt sich um eine Omega-6-Fettsäure (ω6). Fett von Wiederkäuern und Fisch sind keine nennenswerten Quellen für Linolsäure, Monogastrier wie Schwein oder Kaninchen mäßig, Geflügel produziert reichlich davon. Sämtliche Ölsamen und Nüsse sind sehr reich daran – die Samen an sich sind aber heavy-loaded an Phytinsäure, und zwar um ein Vielfaches mehr als Getreide. Im jeweiligen Öl hat man die Phytinsäure nicht. Übrigens ist Leinöl keine Omega-6-Quelle. Sehr reich an Linolsäure sind Distel-, Hanf- und ganz banales Sonnenblumenöl.

8. Warum Natur?

Wir alle haben die Natur voll lieb. Wir vertrauen „Mutter Natur“ blind. Und wir wollen alles tun, um sie zu schützen – dabei formen wir sie komplett und nach Belieben um, beuten sie gnadenlos aus und romantisieren nur noch dumm rum.

Schauen wir uns einfach mal die Nachteile von „natürlichen“ Ergänzungen an, um unseren Hund bestmöglich mit Mikronährstoffen zu versorgen, die wir „von Natur aus“ nicht mehr ausreichend im Futter vorfinden:

Natürliche ErgänzungNachteilAlternative
Rohe FleischknochenKönnen zu hart sein und die Zähne kaputt machen.
Können splittern und den Hund verletzen.
Können hohl sein und sich über dem Gebiss verkeilen.
Enthalten viel unverdauliches Protein, das Dysbiose verursachen kann.
Braucht viel Magensäure, um überhaupt verdaut werden zu können – kann nicht jeder Hund produzieren.
Zu phosphorlastig bei Fleischfütterung.
Calciumphosphat
+ -Carbonat
(Fleisch-) KnochenmehlEnthält viel unverdauliches Protein, das „schlechte“ Bakterien im Darm füttert, die dadurch die Überhand gewinnen und Dysbiose mit Verdauungsstörungen erzeugen können.
Zu phosphorlastig bei Fleischfütterung.
Calciumphosphat
+ -Carbonat
AlgenJodgehalt oft nicht vorhanden (Süßwasser-Algen) oder bestimmt.
Wenn bestimmt, dann artabhängig, regional und saisonal schwankender Jodgehalt, so dass Rezepturen ständig angepasst werden müssten.
Schadstoffbelastung.
Kalziumjodat
LeberSehr stark schwankende Gehalte an Vitaminen und Spurenelementen.
Nicht nur Nährstoff-Bunker – auch Schadstoff-Sammelbecken.
Kann Durchfall verursachen.
Wird oft nicht gerne gegessen.
B-Vitamine, Kupfer-, Eisen-, Zink-Verbindungen
HefeUnvollständiges Spektrum B-Vitamine (nur relevante Mengen B1, B6, B3 und B9).
Hohes Unverträglichkeitspotential.
Vitamin-B-Komplex
AusternSelten, teuer, gefährdet.
Nicht „Monoprotein„-geeignet.
Zink-Verbindungen
LebertranHochgefährdete Dorsch-Bestände in der Ostsee.
Vielen Hunden „zu fischiger Geschmack„.
Vitamin D
fetter FischNicht jederhunds Geschmack.
Oft Thiaminase-haltig.
Meeres-Aquakultur und Wildfang gefährdeter Arten umweltschädigend.
Nicht „Monoprotein„-geeignet.
Vitamin D
WeizenkeimölSehr teuer, sehr leicht verderblich.Vitamin E
Nüsse und ÖlsaatenExtrem Phytinsäure-haltig.Geflügelfett, Pflanzenöle

Viel gerne genutztes und als „natürlich“ gepriesenes Zeug im Hundefutter ist bei näherer Betrachtung schlecht kontrollierbar und gar nicht gut für sehr viele Hunde und zusätzlich echter „Raubbau“ an Mutter Natur. Da sollte man sich selber durchaus mal die ehrliche Frage stellen, ob „labor-grown“ Nährstoffe nicht vielleicht die bessere Alternative zu „all natural“ sein kann.

Reinsubstanzen lassen sich viel zuverlässiger dosieren, brauchen kaum Sonderbehandlung bei Lagerung und Verarbeitung, sind unbegrenzt verfügbar, sind weitgehend frei von Schadstoffen und vor allem sind sie chemisch identisch mit den natürlichen Substanzen.

So lange man bei selbst zusammen gestellter Ernährung des jungen Hundes nur Alge für Jod und eine Zink-Verbindung zusätzlich zu den eigentlichen Zutaten einwerfen muss, macht das vielleicht noch Spaß und man ist glücklich, auf der „Natur-Welle“ zu reiten.

Hat man einen verdauungsempfindlichen Hund und ist auf „Monoprotein“ angewiesen oder hat der Hund irgendwelche Organerkrankungen mit besonderen Nährstoffanforderungen, kann eine umfassende Nährstoffversorgung auf (fast) rein natürlicher Basis schon ziemliche Detektivarbeit nebst mühsamer und teurer Beschaffung nach sich ziehen. Dann geht einem die Hantiererei mit diversen einzelnen „Naturprodukten“ über kurz oder lang einfach auf den Keks.

Hat man aber einen Hund mit geringem Grundumsatz und wird er dann älter, sieht das ganz schnell ganz anders aus. Er braucht noch deutlich weniger Energie und so bekommt man noch weniger unverhandelbare Nährstoffe auf natürlichem Weg in den Hund. Spätestens bei 6-7 einzelnen Pülverchen, Kapseln und Tabletten inklusive ernährungsphysiologisch unnötiger Trägerstoffe, um die Mini-Mengen überhaupt dosieren zu können, tut man gut daran, sehr genau zu rechnen und mit einem gut abgestimmten und voll deklarierten Komplettpulver aus dem Labor zu arbeiten.

Von „natürlichem“ Komplettpulver ohne vollständig garantierte Nährstoffgehalten ist in diesem Fall Abstand zu nehmen. Die Behauptung, irgendein Nährstoff sei überhaupt drin, ist meist sogar richtig – aber damit kannst Du nicht beurteilen, ob das dann auch ausreichend ist (meist nämlich bestenfalls lückenhaft). Das kann einem völlig gegen den Strich gehen – aber das ist man dem eigenen Hund gegenüber schuldig, denn er ist von uns abhängig und wir haben die Verantwortung für ihn übernommen.

9. Fazit

Sorry, dies sollte nur ein kurzes Gedankenexperiment werden – aber ich fand immer mehr Aspekte daran bemerkenswert. Ja, ich habe mit Absicht einiges sehr polemisch ausgedrückt, um es plastisch zu machen und zum Nachdenken anzuregen. Die Botschaft zum Mitnehmen dieses länglichen Essays:

  • Der moderne Sofa-Hund ist ein menschengeschaffenes Produkt und nur noch Ausdruck von „Lifestyle“.
  • Getreide ist kein „billiger Füllstoff“ in Hundefutter – es ist nur wegen Arbeitslosigkeit des Hundes für ihn nicht mehr ausreichend.
  • Hund kommt auch bei aktuell modisch fleischlastiger Ernährung nicht ohne gezielte Nährstoffergänzung klar.
  • Sachlich statt emotional betrachtet haben chemische Zusatzstoffe erhebliche Vorteile gegenüber „natürlicher“ Ergänzung.

Bevor Du nun direkt einen unsachlichen zornigen Kommentar hier hinterlässt: Geh erst mal eine ausgiebige Runde mit dem Hund und lass das mal sacken. Dann esst ihr beide was. Und dann freue ich mich in den Kommentaren um einen sachlichen Austausch.

Veröffentlicht unter Blog, Nährstoffe

3 Kommentare

  1. Bee

    Einfach eine mega Entdeckung, dein Blog. Habe dich über die Facebook-Gruppe gefunden. Wir haben seit knapp 2 Monaten einen Welpen und ich versuche gerade Infos zu Hunde-Nahrung zu finden und werde hier ja so was von fündig. Toller Content, komplexe Zusammenhänge gut erklärt. Ich will schauen, wo die Reise für unsere Kleine hingeht ernährungsmäßig. Es gibt so viele Meinungen, da blicke ich als Anfänger kaum durch.

    Ich lese dann hier mal weiter 🙂 Liebe Grüße

  2. Jessika Hebeisen

    Auch ich habe deine Blog durch Zufall (Doglove Bewertung von dir im Blog) entdeckt: Wow, wau auf solche fundierten Informationen habe ich schon lange gewartet. Zu mir und meinem Hund: unsere Labradorhündin/Showlinie aus sehr guter Zucht, habe ich schon als Welpe mit BARF ernährt, inklusive fein abgestimmten Futterplänen einer ausgebildeten Barf Beraterin. Wir wollten ja alles „richtig machen“. Knochen konnte unsere Hündin (Intakt) schon von Anfang an schlecht verdauen, was zu nächtlicher Unruhe und Grasfressen führte. Also stieg ich auf knochenfreies barfen (Eierschalenpulver/Knochenpulver) um. Von Leber bekam sie ausserdem roh gefüttert Durchfall (dann verfütterte ich sie gedünstet). Als sehr gute Futterverwerterin war sie trotzdem immer eher zu dick. Kurzum, seit 2 Jahren füttere ich mehrheitlich hochwertige Dosen wie Doglove und Lakefields. Das Nassfutter verrägt sie viel besser und das Gewicht ist jetzt perfekt. Auch der Kotabsatz ist regelmässiger. An 3 Tagen die Woche verfüttere ich statt Dose eine Barfmahlzeit (Muskelfleisch oder TK Dorsch mit Gemüsemix). Ich bin unsicher, ob ich das beibehalte. Trotzdem hatte ich erst ein „schlechtes gewissen“ nicht mehr voll und „heilig“ zu barfen. Ausserdem machte ich mir beim barfen früher auch Sorgen um Schadstoffe aus der Leber, resistente Keime, Antibiotika vom rohen Fleisch das nicht bio war, wirklichen Inhalt der „natürlichen“ zusätzlichen Zusatzstoffen und deren Kombination. Da meine Hündin nun 8 Jahre wird, aber wenig Futtermenge braucht, möchte ich umso mehr darauf achten sie bedarfsgerecht zu ernähren d.h. das sie trotzdem alle wichtigen Nährstoffe trotz kleinerer Futtermengen bekommt. Vielen Dank an dich und deinen Blog, es ist schwierig eine unabhängige aber auch sachliche Einschätzung zu Fertigfutter zu erhalten aber gleichzeitig zu Barfzusätzen. Bester Gruss Jessika aus Zürich

  3. Anni

    Moin!

    Ich bin einfach nur so unendlich dankbar für diese ganzen Infos. Wirklich: Von Herzen Dank! Es ist so mühsam, sich in diesem ganzen Futter-Dschungel zurechtzufinden und ich dachte, ich wär schon wirklich gut informiert was die Inhaltsstoffe etc. angeht. Aber über die Nährstoffe habe ich mir bis grade eben noch nicht viele Gedanken gemacht – weil die Werbung suggeriert: Einfach viel Fleisch, viele Kräuter und schön buntes Gemüse dazu, dann passt das.

    Also, nochmal vielen Dank und ich werde bestimmt noch Stunden auf dieser Seite und mit diesem Rechner verbringen um den Dingen weiter auf den Grund zu gehen. Besten Gruß, Anni

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